J.B.O. – S.P.O.R.T.

J.B.O. - S.P.O.R.T.
J.B.O. – S.P.O.R.T.

Es wird wieder laut und rosa. Diese einzigartige Kombination lässt schon darauf schließen: J.B.O. sind zurück. (Der Titel dieses Beitrags wäre ein weiteres Indiz.) Doch kein ganzes Album spendieren uns die Spaßvögel aus Franken diesmal, sondern ein Format, das einem heutzutage kaum noch begegnet: die EP. Für alle, die sich schon immer gewundert haben, wofür das denn stehen könnte: Extended Play. Angesiedelt zwischen Single und Album enthalten solche Scheiben meist etwa fünf (neue) Titel und sind preislich günstiger als Langspieler.

Lieder, die den Sport zum Thema haben, können natürlich schnell zur Hymne avancieren und die Band zu großer Bekanntheit führen. Ob J.B.O. das nötig hat sei jetzt einmal dahin gestellt, als Titellied zum nächsten Sport-Großereignis mal ordentliche Musik in den Charts zu sehen wäre aber eine angenehme Abwechslung. Zumal bei solcher Art der Musik meist eines gewährleistet ist: der Mitsingfaktor. Einfache und markante Refrainzeilen, die beim ersten Hören schon im Gedächtnis bleiben, gab es auf den bisherigen regulären Alben bereits zu genüge und auch die aktuelle Scheibe kommt mit einigen Ohrwürmern daher.

Jetzt isser drin

Den Beginn darf mit Jetzt isser drin ein Titel zum Lieblingssport der Deutschen machen. Ganz allgemein, ohne Vereinspräferenz, wird hier der Freude über ein gefallenes Tor musikalisch Ausdruck verliehen. Bereits beim erstmaligen Hören während des Online-Gigs blieb der Song im Gedächtnis. Vom choralen Jubelgesang, über die von Vito C. gesungenen Strophen bis hin zum eingängigen Refrain stimmt wirklich alles. So müssen Fussballlieder aussehen. Hitpotenzial. Der gewohnte Humor kommt natürlich auch nicht zu kurz und wird zusammen mit Gastsängerin Judith Geissler in der letzten Strophe präsentiert. Einziger Wermutstropfen: trotz der knapp drei Minuten Laufzeit wirkt das Lied zu kurz. Aber wozu gibt es schließlich die Repeat-Funktion?

9/10

Mir sin der Glubb

Eine komplette CD über das Thema Sport aufzunehmen ohne einen Track über den Lieblingsverein der Band zu machen, würde reichlich komisch wirken. Das dachte sich wohl auch J.B.O. und schrieb ganze DREI Fan-Songs. Der erste davon dreht sich um Fußball und die damit verbundenen Clubs. Als fränkisches Urgestein kann die Hymne natürlich nur DEM Club, dem 1. FC Nürnberg, gelten.

Und wenn mer gwinne, dann ham wer gwonne.

Textliche Besonderheit: nach langer Zeit performen J.B.O. mal wieder ein Lied im Heimatdialekt. Der Verständlichkeit tut das kaum einen Abbruch. Als Folge bekommt der Song an einigen Stellen fast dadaistische Züge und auch dem Text im Allgemeinen kann man zu Genüge Inhaltslosigkeit vorwerfen, als Parodie auf typische Sportfangesänge gesehen könnte man durchaus seine Freude daran haben.

6/10

Zu hart

Mit Zu hart präsentiert sich dem geneigten Hörer der am stärksten sportbetonte Song der EP. Ganz offensiv richtet J.B.O. stellvertretend für alle Fans der Nürnberger Ice Tigers das Wort gegen diverse Konkurrenzvereine, um ihnen schließlich im Refrain ein lautes

„Geht doch heim zu eurer Mama“

entgegen zu schleudern. Tja, Eishockey ist halt ein harter Sport. Entsprechend kraftvoll ist der gesamte Song, mit etwas aggressiverem Gesang als sonst üblich und harten Riffs – der zweite Knaller der CD.

9/10

Bamberch – Freak City

Bereits nach wenigen Sekunden wird klar, von wem die Vorlage zur einzigen Coverversion der EP stammt. J.B.O. beweisen mal wieder ihr Können: AC/DC-Cover – das schaffen nicht viele. Textlich dreht sich alles um Basketball und die Brose Baskets. Deren treue Fans und die allgemeine Begeisterung der Bamberger für ihre Sportart brachten der Stadt den Titel Freak City ein. Sehr viel Inhalt wird nicht geboten, aber das wäre ja bei Sportliedern eh hinderlich. Alles in allem ein gelungenes, handwerklich perfekt umgesetztes Cover.

9/10

Die Freuden des Breiten Sports

Den Abschluss der regulären Songs macht ein Titel, der sich einem anderen Aspekt des Sports widmet: dem Zuschauen. Melodisch sehr abwechslungsreich, mit J.B.O.-typischen halb gesungenen, halb gesprochenen Zwischenkommentaren und einen sehr realistisch klingenden Kommentator-Beitrag wird hier viel geboten.

Ich bin breit und die Anderen rennen, das hat bisher gut funktioniert.

Gerade der tief gesungene Beginn lässt viel erhoffen, vollends überzeugen Refrain und Schluss aber nicht. Sein volles Potenzial als Parodie auf die Gewohnheiten des typischen Zuschauers enthüllt das Lied erst nach mehrmaligem Anhören, im Gesamtbild wirkt er trotzdem schon beim erstmaligen Genuss stimmig.

6/10

Ein Fest (live)

Die Qualität einer Band zeigt sich besonders auf den Konzerten. Viele Künstler können im Studio überzeugen, klingen live aber grausig. J.B.O. gehört zur Kategorie Bands, die live noch einmal deutlich besser sind als auf CD. Die vielen Mitschnitte auf den diversen CDs und zwei komplette Live-CDs können die Stimmung wunderbar transportieren und auch die aktuelle EP enthält mal wieder einen solchen Track. Doch warum nur wählt man einen Song, der schon in gefühlten zwanzig Live-Versionen existiert und auf jedem Konzert gespielt wird? Ein Fest ist nicht der klassische J.B.O.-Hit, keinesfalls das beste Cover und im Grunde auf der CD überflüssig. Aber Bonus ist Bonus, also gut. Der Mitschnitt entstammt dem bereits erwähnten Online-Gig, besser gesagt den nicht im Internet übertragenen Zugaben für die im Wohnzimmer Anwesenden und ist somit durchaus etwas besonderes.

4/10

Jetzt isser drin (Live-Video)

Als multimedialen Bonus erhält man als Käufer der CD-Version zusätzlich den Videomitschnitt der Weltpremiere von Jetzt isser drin. Dieser ist Teil des gut einstündigen Wohnzimmerkonzertes, welches erstmalig in der Geschichte live im Internet als so genannter Online-Gig übertragen wurde. Das komplette Video ist derzeit im neu eröffneten Download Store kostenpflichtig herunterladbar.

9/10

 

In Vergleich zur letzten EP Rock Muzik haben die Jungs von J.B.O. nochmal eine ordentliche Schippe draufgelegt. Auch wenn mich eine CD, die sich komplett dem Thema Sport verschrieben hat, nicht zu Luftsprüngen verführen kann, musikalisch kann S.P.O.R.T. vollends überzeugen. Eine erstaunliche Hitdichte, gelungenes Bonusmaterial und eine konstante hohe Härte der Musik können begeistern. Vier Eigenkompositionen, eine Coverversion, eine Livetrack und ein Videomitschnitt rechtfertigen den Preis von 8,99€ und sorgen für knapp 22 Minuten gute Unterhaltung.

8/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*