J.B.O. – Killeralbum

Killeralbum Limited Killer Box Edition + Vinyl
Killeralbum Limited Killer Box Edition + Vinyl

 

Es wird J.B.O. ja oft vorgeworfen, dass sie sich nicht weiterentwickelt haben und immer noch der gleichen kindlichen Blödelei verfallen sind wie zu Beginn ihrer Karriere. Oder auch ganz allgemein, dass sie nach dem Wechsel zweier Bandmitglieder keine ordentliche Musik mehr zustande gebracht haben. Nun ja, so wie früher sind sie bei weitem nicht mehr. Denn sie haben sich sehr wohl entwickelt, in eine Richtung die man nichts unbedingt als schlecht, wohl aber als „anders“ bezeichnen kann. Erwachsener, könnte man meinen, sind die Songs geworden – musikalisch gesehen – professioneller und lauter. Und bald auch internationaler.

Doch zurück zum aktuellen Werk. Nach dem ziemlich miesen Head Bang Boing hat man sich Zeit gelassen und mit I don’t like Metal eines der besten Alben des Jahrzehnts abgeliefert – sowohl musikalisch, als auch von der Qualität der Veröffentlichung (im chicen Karton mit Saftpresse) überzeugend.
Gut also, dass man dies beibehalten hat.

Die musikalische Seite

01. Dr. Met
Mit einer Hymne an den Metal beginnt es, dass Hörvergnügen. Heavy Metal als Medizin gegen alle Krankheiten, das ist die Kernaussage dieses Titels. Und dem Inhalt gerecht werden dröhnen auch sogleich die ersten härteren Klänge aus dem Lautsprecher. Schön, gut als Einstieg, aber ob es tatsächlich als Hymne angenommen wird, bleibt zu bezweifeln.
9/10

02. Rock ’n‘ Roll Märtyrer
Nachdem sich J.B.O. bereits 2004 zum Glauben an den Rock ’n‘ Roll bekannt haben, ist es nur verständlich, dass sich selbst als Märtyrer dieser Religion sehen. Solides Stück, nicht sonderlich lustig, aber nach mehrmaligen Hören durchaus ein Stück was zu gefallen weiß.
6/10

03. Killer
An dritter Stelle der Trackliste findet sich der Titelsong wieder. Hannes-typisch einer der härtesten Songs des Albums und nebenbei auch einer der besten. Als Überraschung wird hier das Wortspiel im Albumstitel, der keineswegs etwas mit Mord und Totschlag zu tun hat, aufgelöst. Einfach ein Killer-Song.
9/10

04. Armageddon
Der erste der insgesamt vier J.B.O.-typischen Zwischensprüche und einer der besten überhaupt. Was aber auch nicht wirklich schwer ist, sind diese Minititel doch sowieso meist mehr störend als lustig. Hervorzuheben ist auch, dass es sich diesmal um einzelne Tracks handelt und es somit viel leichter als beim vorigen Studioalbum ist, sie zu überspringen.
6/10

05. Dadadidadadadei
Bereits auf I don’t like Metal war eine Vielzahl politischer Songs zu finden und auch vorher gab es bereits einige gesellschaftskritische Titel. Das hat aber keinesfalls geschadet, eher im Gegenteil. Und so findet sich auch auf der aktuellen CD (und auch auf der Schallplatte) ein solches Lied. Der Titel lässt es nicht vermuten, und doch wird heftig kritisiert, sämtliche aktuellen Themen wie Wirtschaftskrise oder Atomunglück werden aufgegriffen. Musikalisch eher ruhig untermalt wird Vitos Stimme, so dass man sich etwas an Ein guter Tag zum Sterben erinnert fühlt. Eher untypischer Song mit Aussage, weitgehend ohne Humor, aber dennoch ein Highlight, wenn nicht gar das beste Lied der Platte.
10/10

06. Drei Akkorde
Weiter geht’s wieder im Bereich der Fun-Musik. Man könnte natürlich Kritik an der Musik, die die Charts beherrscht und dabei nur aus wenigen Akkorden besteht, herein interpretieren, dies ist aber heute nicht die Hauptaussage des Stücks.
Drei Akkorde sind einer zu viel
Wir haben ja auch nur zwei Ohren
Musikalisch klasse umgesetzt, netter Text und besonders das Ende weiß zu begeistern.
8/10

07. Familienanzeige
Sprachbeitrag Nummer zwei ist… Mist. Und zwar komplett. Weder lustig noch sonderlich kreativ, wäre selbst eine Minute Stille kaum schlechter. Dass nicht mal J.B.O. selbst sprechen, sagt ja bereits einiges über das „Lied“ aus.
0/10

08. Ich bin dein
Die von Ralph Bach beigesteuerten Lieder sind schon immer Geschmackssache gewesen, auch bei den Fans. Und auch dieses begeistert nicht wirklich. Textlich so naja, musikalisch wenigstens mit ordentlichem Einsatz von Schlagzeug und Gitarre, stimmlich… muss man halt mögen.
3/10

09. Kalaschnikow
Einen sehr bedeutungsschweren Titel trägt ein abwechslungsreiches Lied. Richtige Strophen gibt es nicht, rhythmustechnisch geht’s auf und ab zwischen ruhigen Zeilen und dem reingebrüllten Wort Kalaschnikow, das bereits beim ersten hören zum Mitsingen einlädt. Thematisch gesehen geht es um den Frieden, auch wenn der Name eher das Gegenteil vermuten lässt. Gerade dieses nicht vorhersehbare, abwechslungsreiche, einfach andere ist es, was das Lied zu etwas besonderem macht. Das Anhören bringt durchaus Spaß, ein Livetrack wird es aber nicht werden.
7/10

10. Jenseits
Bekannt wurde J.B.O. durch Coversongs. Und so sollten auch auf diesem Album wieder eine Vielzahl veröffentlicht werden. Letztendlich erlaubt wurden nur drei Stück, so dass zum Großteil eigene Produktionen auf der CD sind. Das bekannteste der drei Cover dürfte die umgetextete Version von Jenseits von Eden sein. Mehrere Variationen des Refrains gibt es zu hören, alle durchweg gelungen und interessant für den Hörer zu erfahren, jenseits welcher Dinge man sein kann. Das schlagerartige Original wurde mithilfe von Gitarren und Schlagzeug ordentlich verstärkt und somit auch für Freunde der härteren Klänge attraktiv gemacht.
9/10

11. Tony Marshall
Duuu, Hannes…
Zwischenspiel Nummer drei. Auch nicht wirklich lustig.
1/10

12. Download
Von der Idee her, die dem Text zu Grunde liegt, ist Download das beste Lied des Albums. Grundsätzlich nervt erst einmal, dass immer mehr Bands Anti-Raubkopiererlieder herausbringen. Hier wurde diese Thematik aber erstaunlich gut umgesetzt, der Humor macht da einiges wieder wett. Auch die musikalische Gestaltung kann durchaus überzeugen, besonders die Refrains haben Wunderbare Riffs und bieten eine nette Steigerung. Die Promo-Aktion zu diesem Lied war außerdem gut inszeniert und dürfte so einige „Sauger“ verärgert haben. Aber das Killeralbum ist ein ehrlichen Kauf auf jeden Fall wert.
8/10

13. Heimatlied
Die Verbundenheit J.B.O.s zur fränkischen Heimat und den damit verbundenen Spezialitäten wurde bereits zu Beginn ihrer Karriere musikalisch verarbeitet. Kein Wunder also, dass auch auf dem aktuellen Werk ein Song dieser Art Platz gefunden hat. Textlich muss man ihnen dabei allerdings eine ziemliche Uninspiriertheit unterstellen, besteht der Text schließlich nur aus der Aneinanderreihung von Ortsnamen. Relativ langsam gesungen, um noch etwas zu strecken, fallen ein instrumentaler Refrain und eine Steigerung zum Ende hin auf.
5/10

14. Reklame
An dieser Stelle gibt uns Hannes ein Beispiel dafür, wie Werbung aussehen könnte, es wohl aber nie sein wird. Der letzte der Zwischensprüche ist auch der beste, nicht zu lang und somit kaum nervig und von der Idee her genial.
6/10

15. 3 Tage blau
Party-, Sauf- und Stimmungslieder – eine Musikart, welche die Spaßband J.B.O. seit Beginn ihrer Karriere begleitet. Als 15. Track sie bereits der zweite Ralph-Song auf einem Album präsentiert und zugleich auch sein bester überhaupt. Seine spezielle Stimmlage und Gesangsweise sowie die elektronischen Einflüsse passen sich perfekt ein; hinterm Refrain steckt richtig Druck und auf textlich kann das Lied begeistern. Am Ende wird dann sogar noch Selbstkritik an eben solcher Art von Musik geäußert, natürlich nicht ohne das ganze durch einen typischen Gag abzurunden.
10/10

16. Nein Mann
Als Abschluss der CD 1 fungiert Coverversion Nummer drei. An einer neuen Interpretation des Laserkraft 3D-Songs versucht sich derzeit ja auch Otto. Den Verteidigern des Blöedsinns gelingt es aber doch einen Tick besser, und im Vergleich zum Original sogar melodisch. Zudem textlich etwas mehr auf den Metal bezogen und durch Gastsprecherin Doro Pesch sogar prominent besetzt, ist der Abschluss eines überdurchschnittlich guten Albums überdurchschnittlich gut gelungen. Der obligatorische Hidden-Track nicht ganz so gut.
9/10

Die verschiedenen Editionen

Killeralbum Vergleich
Größenvergleich der Limited Edition Boxen von Killeralbum und I don’t like Metal, I love it

In vier verschiedenen Varianten ist das Killeralbum erhältlich (gewesen), oben genannte Lieder sind auf allen enthalten. Die die Digipack-Variante wartet mit einer zusätzlichen zweiten CD auf. Darauf enthalten ist:

Bembers und Ingrid
Der fränkische Komiker Bembers (eventuell bekannt von YouTube) hat sich die Veröffentlichung des neuen Albums zum Anreiz genommen, etwas zu Coverfigur Ingrid zu sagen. Tja, meinen Humor trifft überhaupt nicht.
0/10

Making of Killeralbum
Ein weiteres Video begleitet die Band während der Entstehung des neuen Albums, bietet aber wenig Informatives oder Lustiges.
1/10

J.B.O meets Sepultura – Roots Bloody Roots
Das Highlight der CD. Dass J.B.O. live nochmal um einiges besser sind, dürfte jedem bekannt sein, der schon einmal einem ihrer Auftritte beiwohnen durfte. Das vorliegende Video enthält einen Teil des Auftritts beim Earthshaker Festivals 2007. Es handelt sich dabei um das Lied Roots Bloody Roots, welches gemeinsam mit den Originalsängern gespielt wurde.
10/10

Daisy Flowers & Rock Muzik
Als Vorgeschmack auf das internationale Album Happy Metal Thunder gibts zwei bekannte Songs schon mal als englische Variante zu hören. Und natürlich zu sehen, wobei dazu gesagt werden muss, dass die Videos die bekannten deutschen sind, nur mit englischer Tonspur unterlegt. Somit ist das ganze schon bekannt, wirkt durch die englische Sprache aber komisch und ungewohnt. Als Bonus ganz in Ordnung, einen Aufpreis wäre es mir nicht wert.
5/10

Das alles rechtfertigt den hohen Aufpreis nicht wirklich. Die Videos gibt es mittlerweile offiziell auf YouTube, und obgleich das Digipack schöner aussieht, geht es doch hauptsächlich um die Musik, die in dieser Edition keine Aufwertung erfährt.

Der wahre Fan aber hat sich sowieso schon ohne groß nachzudenken für die teuerste Version des Killeralbums entschieden. Diese ist vollends gelungen, auch wenn ausreichend Platz im Regal vorhanden sein sein sollte. Enthalten sind neben dem Digipack noch zwei Merchandise-Artikel: am auffälligsten ist natürlich die Ingrid-maske. Damit sticht man während des Karnevals auf jeden Fall aus der Menge heraus – wenn man es denn schafft, sie aufzuhalten. Denn, soviel muss man negativ ankreiden, sie stinkt extrem nach Plastik bzw. Gummi. Gesund kann das Tragen also erstmal nicht sein und auszuhalten ist es auch schwer. Deshalb besser erstmal auslüften lassen.
Sofort anlegen kann man dagegen das Nietenarmband. Selbstverständlich in rosa gehalten und schön mit J.B.O. Schriftzug verziert wird man dieses Accessoire auf Konzerten wohl noch längere Zeit lang begutachten können. Die Verpackung macht einen sehr hochwertigen Eindruck, die Pappe ist stabil, sieht schön aus und ein Magnet verschließt die Kiste sorgfältig. Ob man das alles letztendlich braucht, ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Bleibt noch die Schallplatte. Die Veröffentlichung auf Vinyl hat ja mittlerweile wieder an Beliebtheit gewonnen und Schuss kein Wunder dass auch das Killeralbum in eben jener Form erhältlich ist. Besonders gut zur Geltung kommt hierbei natürlich das Cover und das ist auch ein großer Vorteil der Schallplatten im allgemeinen. Enthalten sind alle 16 wieder der Standardversion, jeweils acht pro Seite. Für Fans dieser Medien Info eine Empfehlung, zumal Schallplatten ja an sich ein ganz anderes Hörerlebnis darstellen als digital aufgenommene und abgespielt Musik.

Fazit

Alles in allem ein sehr gut gelungenes Album mit vielen eigenen Titeln, wenigen Coverversionen und einer schönen Limited Edition.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*